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Aus und vorbei, das Ende unserer Kinderkurse in Gründau

15. Sept.
5 Min. Lesezeit
Kinder der Young Defender bei einem Aufwärmspiel welches Reaktion und Koordination trainert
Kinder der Young Defender bei einem Aufwärmspiel welches Reaktion und Koordination trainert

Am letzten Mittwoch im August stand ich mit Jasmin zum letzten Mal in der Halle, in der ich fast drei Jahre lang Kinder trainiert habe. Neben mir stand Jasmin, meine Co-Trainerin. Die Kinder haben sich aufgestellt wie immer. Wir haben angefangen wie immer. Und alle im Raum wussten, dass es das letzte Mal war.

Zum 31. August 2026 haben wir unsere Kinderkurse in Gründau eingestellt. Nicht, weil sie nicht liefen. Sondern weil das Studio übernommen wurde und das Kinderangebot unter dem neuen Betreiber nicht fortgeführt wird.

35 Kinder haben dort zuletzt trainiert. Über den gesamten Zeitraum haben wir mehr als 60 Kinder in Gründau trainiert.


Vom MMA-Trainer zur Selbstverteidigung für Kinder


Kurse gebe ich seit 2012, seit 2020 auf selbstständiger Basis. Angefangen habe ich dort, wo ich selbst herkomme: im Erwachsenenbereich, mit MMA und kampfsportbasierter Selbstverteidigung. Harte Einheiten, erwachsene Teilnehmer, klare Sache.

In Gründau nahm dieser Weg richtig Fahrt auf. Ich hatte dort meinen Raum, meine Kurse, meine Leute. Es lief.

Was sich dann verändert hat, hatte mit dem Training zunächst wenig zu tun. 2022 wurde meine Tochter geboren.

Von da an habe ich andere Fragen gestellt. Nicht mehr: Wie verteidigt sich ein erwachsener Mann? Sondern: Was braucht ein Kind, damit es in einer Situation, die es überfordert, handlungsfähig bleibt? Ich habe mich über Monate in das Thema eingearbeitet – und je länger ich mich damit befasst habe, desto klarer wurde, dass ich das selbst machen will.

Am 1. November 2023 habe ich in Gründau mit den Kinderkursen begonnen. Bewusst langsam. Ich wusste, wie man Erwachsene trainiert. Ob ich Kinder trainieren kann, musste sich erst zeigen.


Was ich im Kindertraining gelernt habe


Selbstverteidigung für Kinder funktioniert anders als Training mit Erwachsenen. Das lernt man nicht aus einem Lehrbuch, sondern in den ersten Wochen, in denen die Hälfte der Gruppe zuhört und die andere Hälfte gerade etwas Interessanteres an der Decke entdeckt hat.

Man muss Technik so erklären, dass ein Vierjähriger sie versteht – ohne sie zu verwässern. Man muss Autorität aufbauen, ohne Angst zu erzeugen. Man muss erkennen, welches Kind gerade Unterstützung braucht und welches eine Grenze.

Dabei ist mir etwas aufgefallen, das mich bis heute beschäftigt: Zwischen den beiden verbreiteten Ansätzen klafft eine Lücke. Auf der einen Seite steht eine sehr weiche Pädagogik, die vieles richtig macht, ein Kind körperlich aber kaum handlungsfähiger macht als vorher. Auf der anderen Seite steht klassischer Kampfsport, technisch stark, aber selten an der Lebenswelt und den Konflikten eines Kindes ausgerichtet.

Ich habe nichts neu erfunden. Ich versuche, diese Lücke zu schließen – mit einem eigenen Weg, der pädagogisch sauber arbeitet und trotzdem körperlich echt bleibt. Das ist der Kern dessen, was wir heute machen.

2024 kam ein zweiter Baustein dazu: die ersten Eltern-Kind-Seminare. Der Gedanke dahinter war einfach – Sicherheit im Alltag wird nicht in der Halle entschieden, sondern zu Hause. Ein Kind, das etwas lernt, während die Eltern danebensitzen, nimmt weniger mit als eines, das es gemeinsam mit ihnen erarbeitet. Dieses Format gehört bis heute zu unseren wichtigsten.


Aus den Kursen in Gründau wurde Dorian Defense


2025 habe ich Dorian Defense gegründet. Als eigene Marke, mit eigenem Konzept, mit dem klaren Fokus auf Selbstverteidigung für Kinder und Familien im Wetteraukreis.

Das war keine spontane Idee, sondern die Konsequenz aus allem, was in Gründau entstanden war: der Aufbau der Einheiten, der Umgang mit unterschiedlichen Altersgruppen, die Zusammenarbeit mit Eltern, das Verständnis dafür, was Kinder in einer Bedrohungssituation tatsächlich brauchen.

Im selben Jahr kam Jasmin als Co-Trainerin dazu. Sie trainiert seit drei Jahren MMA in meinen Kursen – sie kennt die Arbeit also nicht aus der Theorie, sondern von der anderen Seite der Matte. Am 1. April 2026 sind wir dann mit unseren eigenen Kursen in der Sporthalle Düdelsheim gestartet, zum ersten Mal auf eigener Fläche und unter eigenem Namen. Seit diesem Tag ist auch Sascha als Trainer mit an Bord.

Gründau lief parallel weiter. Zwei Standorte, sechs Gruppen, dieselbe Arbeit.


Die Übernahme des Studios – und das Ende der Kurse


Im Sommer 2026 wurde das Studio in Gründau übernommen. Für mich war das zunächst eine offene Situation: Es war nicht sofort klar, ob und wie es weitergeht.

Recht schnell zeichnete sich ab, dass das Kinderangebot in der bestehenden Form unter dem neuen Betreiber keinen Platz mehr haben würde. Große Ketten arbeiten nach anderen Maßstäben. Ein spezialisierter Kinderkurs mit 35 Teilnehmern ist in dieser Rechnung eine kleine Position.

Für die Familien war er das nicht. Für mich auch nicht.

Offiziell endeten die Kurse zum 31. August 2026. Nach zwei Jahren und zehn Monaten.


14 Kinder sind nach Düdelsheim mitgekommen


Was danach passiert ist, hat mich mehr bewegt als das Ende selbst.

Zwischen Gründau und Düdelsheim liegt eine Strecke, die niemand mal eben nebenbei fährt. Und nicht alle Familien kamen überhaupt aus Gründau – manche sind schon vorher aus Blankenbach in Bayern angereist.

Trotzdem haben 14 Kinder den Wechsel mitgemacht. 14 Familien, die sich entschieden haben, den weiteren Weg in Kauf zu nehmen, teils bis zu 40 Kilometer einfach, damit ihr Kind weiter trainieren kann.

Einige dieser Kinder begleite ich seit fast drei Jahren, seit der allerersten Einheit in Gründau. Ich habe gesehen, wie sie sicherer geworden sind – nicht nur technisch, sondern in ihrer ganzen Haltung. Dass diese Entwicklung nicht abreißt, war mir wichtiger als alles andere an diesem Übergang.

Ein Standort ist eine Halle. Eine Gemeinschaft ist etwas anderes – die zieht mit um.


Was das für unsere Kurse in Düdelsheim bedeutet


Der Zuwachs stellt uns vor neue Herausforderungen. In Düdelsheim trainieren Kinder und Jugendliche von 4 bis 15 Jahren in mehreren Gruppen, freitags in der Sporthalle Düdelsheim. Mit den Kindern aus Gründau sind einige dieser Gruppen deutlich voller geworden.

Das betrifft die Einteilung der Gruppen, die Abläufe im Training und die Frage, wie wir die Struktur weiterentwickeln, ohne dass die Qualität leidet. Daran arbeiten wir gerade – zu dritt, mit Jasmin und Sascha im Team.


Was bleibt


Gründau war für mich kein Nebenschauplatz. Es war der Ort, an dem aus einem Kampfsporttrainer ein Kindertrainer wurde. An dem ich verstanden habe, dass Selbstverteidigung für Kinder etwas anderes ist als Selbstverteidigung für Erwachsene – und dass genau dort der größte Hebel liegt.

Ohne diese fast drei Jahre gäbe es Dorian Defense nicht. Ohne die Familien, die mir dort ihr Vertrauen geschenkt haben, würde ich heute nicht das machen, was ich mache.

Das Ende eines Standorts ist keine Niederlage. Es ist der Punkt, an dem sich zeigt, was tragfähig ist.

Bei uns war es die Gemeinschaft. Und die trainiert jetzt freitags in Düdelsheim weiter.

 

Häufige Fragen zu den Kinderkursen in Gründau und Düdelsheim


Warum wurden die Kinderkurse in Gründau eingestellt?

Das Studio in Gründau, in dem die Kurse stattfanden, wurde übernommen. Das Kinderangebot wird unter dem neuen Betreiber nicht fortgeführt. Die Kurse von Dorian Defense endeten dort offiziell zum 31. August 2026.

Seit wann gab es Selbstverteidigung für Kinder in Gründau?

Die Kinderkurse starteten am 1. November 2023 und liefen bis zum 31. August 2026 – insgesamt zwei Jahre und zehn Monate. Zuletzt trainierten dort 35 Kinder.

Können Kinder aus Gründau weiter bei Dorian Defense trainieren?

Ja. 14 Kinder sind nach Düdelsheim gewechselt. Das Angebot steht allen ehemaligen Teilnehmern offen.

Wo findet die Selbstverteidigung für Kinder jetzt statt?

In der Sporthalle Düdelsheim, Schulstraße 12, 63654 Büdingen. Die eigenen Kurse von Dorian Defense laufen dort seit dem 1. April 2026, freitags nachmittags.

Für welches Alter sind die Kurse geeignet?

Für Kinder und Jugendliche von 4 bis 15 Jahren, aufgeteilt in altersgerechte Gruppen.

Wer leitet das Training?

Gründer Dorian, der seit 2012 Kurse gibt und seit 2020 selbstständig arbeitet, Co-Trainerin Jasmin (seit 2024 im Trainerteam, seit drei Jahren selbst im MMA-Training) und Trainer Sascha (seit April 2026).

Gibt es auch Angebote für Eltern?

Ja. Seit 2024 bietet Dorian Defense Eltern-Kind-Seminare an, in denen Eltern und Kinder gemeinsam trainieren.

 
 
 

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